Vier Minicars erobern die Stadt

Unerträglicher Smog, viel Stau und kaum Parkmöglichkeiten: In den überfüllten Städten müssen Autos gleich eine Vielzahl an Problemlösungen anbieten können. Zum Beispiel wenig Verbrauch, kleiner Wendekreis, Umweltfreundlichkeit und am besten noch geräuscharm. Hier vergleichen wir vier Vertreter typischer Stadtautos auf Herz und Nieren.


Das vielleicht radikalste Konzept für ein Stadtauto bietet der neue smart Forfour, der in Kooperation mit Renault auf Basis des Renault Twingo entwickelt wurde. Der smart-Viertürer mit einer „Länge“ von 3,50 Meter wird von einem sehr sparsamen Dreizylinder-Saugmotor mit wahlweise 1,0-Liter (71 PS), 0,9 Liter-Turbo mit (90 PS) und 1,0-Liter mit (60 PS) angetrieben. Das Besondere: Der Motor sitzt im Heck und Wendigkeit des Fahrzeugs entscheidend verbessert, so etwa beim Wenden und beim Rausbeschleunigen in Kurven. Der nicht ganz so preiswerte smart Forfour überzeugt durch ein expressives Styling, kompakte Proportionen und clevere Details wie z. B. eine Start-Stopp-Automatik, ein auf 8,65 m verkleinerter Wendekreis, die feste Tridion-Sicherheitszelle sowie ein erstaunliches Raumangebot. Das resultiert aus einer umklappbaren Beifahrerlehne, eine absenkbare Rücksitzbank (Ready Space-Sitztechnologie) sowie die fast 90 Grad weit öffnenden hinteren Türen. Zudem kann das Volumen des Kofferraums durch Umklappen der Rückbank von 185 l auf bis zu 975 l erweitert werden. Damit bieten die neuen smart-Modelle im Innenraum ein Maximum an Platz bei einer minimalen Außengröße.


Fantasie und Vielfalt sind angesagt

Der Smart Forfour hat viele Vorzüge. Doch muss er sich einer harten Konkurrenz stellen. Denn auch andere Autobauer haben entdeckt, dass man im Kleinstwagen-Segment ebenfalls mit zahlreichen Ideen und Extras auftrumpfen kann. Der 3,54 m kurze VW Up besticht optisch mit einem sehr klaren Design und einer typisch grundsoliden Anmutung. Trotzdem strahlt der kleine Volkswagen eine verschmitzte Frische aus und ist so ein richtiger Hingucker. Der Viertürer wird mit verschiedenen Motorisierungen (60 PS und 75 PS) und Ausstattungsvarianten (take up!, move up!, high up!, black up!, white up!) angeboten. In der 75 PS starken Version bewegt sich das VW-Stadtauto auch noch relativ beschwingt. Bei längeren Steigungen oder Überholvorgängen stößt er jedoch schnell an seine Grenzen. Bitte beachten: Den VW Up gibt es auch als Erdgas- oder Elektroversion. Wer es im Stadtverkehr geruhsamer angehen will und ständiges Schalten nervt, kann sich alternativ für ein automatisiertes Schaltgetriebe entscheiden. Apropos Bequemlichkeit: Die Fondtüren lassen sich weit öffnen und ermöglichen so einen leichten Zustieg. Damit eignet sich der VW Up durchaus für eine vierköpfige Familie. Jedoch mit einem Kofferraum von nur 251 Liter (951 Liter bei umgeklappter Rücksitzlehne) dann schon eher für die übliche Einkaufstour oder einen Wochenendausflug als für größere Urlaubsreisen.


Es geht noch günstiger

Der Aygo von Toyota präsentiert sich als ein 3,41 m kleines, preiswertes und vor allem auch als umweltfreundliches und sparsames Stadtauto. Nicht umsonst zeichnete der ADAC den Aygo als besonders kostengünstigstes Auto aus. Im VCD-Umweltranking erhielt er die Auszeichnung als bestes Nicht-Hybrid-Fahrzeug. Der 5-Türer kann als 1,0-Liter-Benzinmotor mit drei Zylindern (68 PS) oder als 1,4-Liter-Dieselmotor (54 PS) erworben werden. Geradezu ideal bewegt sich der kleine Japaner im Stadtverkehr mit notorischem Parkplatzmangel. Hier profitiert der Aygo-Fahrer von der „Größe“ des Fahrzeugs. Wer aber glaubt, dass das Raumangebot in dem kleinen Aygo eher dürftig ausfallen könnte, täuscht sich gewaltig. Denn hier finden vier Personen ausreichend Platz. Der Kofferraum kann durch Umlegen der Rücksitzbank von etwa 130 Liter auf 782 Liter vergrößert werden. Einen Wertmutstropfen gibt es dennoch: Die Verarbeitung des Toyota Aygo fällt nur durchschnittlich aus. Nicht überzeugen kann die Materialqualität. Zum Beispiel, was die Hartplastikteile, gebrochenen Sitzgestelle, lose Türgummis, Lackqualität, instabile Türfangbänder und auch der punktuell dürftige Korrosionsschutz angehen.


Der leise Stromer

Das ausgereifte Elektroauto Renault Zoe bietet bei einer „Länge“ von 4,08 m - dank wegfallendem Antriebsstrang - erstaunlich viel Platz für vier Personen. Der Zoe ist nicht nur cool, sondern hat auch das Zeug, um E-Autos einer größeren Gruppe von Autofahrern zugänglich zu machen. Da Elektroautos im Ruf stehen, nicht gerade günstig zu sein, wurden sie bislang fast nur von Kommunen, Carsharing-Firmen oder großen Fuhrparkbetreibern gekauft. Das soll sich mit dem Zoe und einem relativ günstigen Basispreis nun ändern. Wobei der Kaufpreis für Fahrzeug und Batterie getrennt wird. Zum Fahrzeugpreis kommen monatlich noch rund 66 bis 102 Euro netto für die Miete der Batterie hinzu. Bei einer Probefahrt ist der Zoe - übrigens wie alle Stromer -sehr angenehm zu fahren. Bis etwa Tempo 50 bemerkt man kaum Fahrgeräusche. Zugleich beweist der kleinste Renault Spritzigkeit beim Beschleunigen. Der 88 PS starke E-Motor mit seinen 250 Nm Drehmoment schießen den Zoe vom Start in vier Sekunden auf 50 km/h. Die Lithium-Ionen-Batterie mit ihren 192 Zellen und 22 kWh ist Platz sparend und crashsicher untergebracht. Schon nach rund 150 km muss sich der Zoe-Fahrer wieder eine Ladestation suchen. Er kann sich dann zwischen einer öffentliche Starkstrom-Station, wo sein Auto etwa in 30 bis 60 Minuten auf rund 80 Prozent nachgeladen wird, oder der mitgelieferten Ladebox, die den Akku in rund sieben Stunden wieder befüllt, entscheiden.



Stand:  24/03/2015