Was kommt nach Facebook, Twitter und Instagram?


Social Media ist heute weit mehr als Twitter und Facebook. Zunehmend wenden sich Nutzer von den einstigen Pionieren auch ab. Beispielsweise ist Facebook längst nicht mehr erste Wahl bei der Zielgruppe unter 20. Zudem kommt, dass einige der neue Anwärter nicht mehr nur facebook den Rang ablaufen wollen. Mit kräftiger Unterstützung von "Mobile Apps" wollen diese Dienste auch das angestammte Terrain von Ebay, Amazon und Google betreten und Marktanteile abjagen. Kurz die Fragmentierung ist im vollen Gang. Warum es sich lohnt die neuen Akteure früh auf dem Radar zu haben, hat einen guten Grund. Heutzutage kann allein die Wahl des richtigen Mediums schon die Message sein. Denn der Wettlauf um die neuen, spannenden Plätze hat längst begonnen.

Die verheißungsvollsten Anwärter wollen wir hier kurz vorstellen...

 

Houzz

Mit Houzz ist weltweit die führende Plattform für Bau-, Einrichtungs- und Renovierungsprojekte entstanden. Dazu zählen mehr als 25 Millionen Haus- und Wohnungsbesitzern, Designinteressierten und Wohnexperten. Der Dienst bringt alle in einer einzigartigen Community zusammen.

Mit über 60 Spezialisierungen, die Kreativen aus dem Bau- und Innenausbau die Möglichkeit bieten unmittelbar über Interessenten kontaktiert zu werden, kann Houzz schon zu Beginn an mit einem funktionierenden Businessmodell auftrumpfen. Hierbei steigen Architekten und Händler schon mit wenigen hundert Euros pro Monat ein, um sich für neue Aufträge ins Gespräch zu bringen. Positiv zu vermerken ist auch, dass es nur Werbeeinblendungen gibt, die genau zum Thema passen. Und sollte einmal ein Möbelstück besonders gut gefallen, zeigt sich Houzz auch als praktische Verkaufsplattform. Dafür sind dann 15 Prozent Kommission fällig, um die Dinge als Händler direkt präsentieren zu können... 

 

WANELO -  Want, Need, Love

Mit dem Claim „Finde unglaubliche, verblüffende Produkte“ positioniert sich das in 2012 gestartete WANELO bei Konzept, Aufmachung und Zielgruppe zwischen PINTEREST, INSTAGRAM, TUMBLR, ETSY, DAWANDA und MONOQI. Bereits Ende 2013 hatte der Dienst über 10 Millionen Nutzer. Statt Pinwände werden sogenannte „Stores“ von Händlern, Kleingewerbetreibenden sowie Kunstschaffenden zusammengestellt, die Ihre angebotenen Waren direkt verkaufen können.  Damit entfällt zugleich der Aufwand über einen Bilderdienst, eine Suchmaschine bzw. die Shopseite des Produktanbieters gehen zu müssen. Die Nutzer als Nachfrager haben die Möglichkeit eigene Listen anzulegen, anderen Usern zu folgen oder sich gegenseitig zu inspirieren. Nicht selten retten damit die User auch mal die vorschnelle Auslistung eines Produktes durch den Händler, etwa dann wenn es sich großer Beliebtheit beim Teilen mit anderen erfreut. So einfach kann ein Resonanztest heute funktionieren. Vom Konzept her folgt WANELO dem Anspruch nicht dem Mainstream folgen zu wollen, sondern ausgefallene und designorientierte Produkte zu bieten.

Zur Zeit überwiegen bei den Stores noch die Kleidung und Accessoires für Frauen. Deren Anteil am gesamten Warenangebot ist etwa doppelt so hoch wie das der Männer. Ähnlich wie Pinterest ist WANELO geeignet sich Ideen zu holen. Es bietet einen umfassenden Filter, der es möglich macht innerhalb diverser Modestile und Gruppierungen (bis zu 15) zu suchen, so etwa...  Minimalist, Urban,  Vintage &  Retro oder Bohemien & Rustic. Die vielen Produktsammlungen und Einkaufsideen  aus der Community sind eine weitere Hilfe. Das Konzept bindet Händler als auch User eng an die Plattform und könnte in den nächsten Jahren durchaus zu einer ernstzunehmenden Alternative zu EBAY und Amazon werden.  WANELO wird nach einer Startphase hoffentlich nicht dem Trend der geschlossenen Communities folgen, deren Zugang früher oder später nur noch per Registrierung und/oder Log In (z.B. mit Facebook Zugang) möglich sein wird. Diese Entwicklung wäre zu bedauern...   

 

Wanelo Screenshot

Bislang kommt Wanelo ohne Unterbrecherwerbung in Form von Display Ads aus und refinanziert sich aus den Provisionen der vermittelten Umsätze. Wesentlicher Treiber bei Traffic und Nutzung ist die App „Wanelo Shopping“, die gratis bei itunes und google.play downgeloadet werden kann.

 

Vine - Do it youself mit viel Charme...  

Vine ist eine unkonventionelle Plattform für Videos. Alle Uploads dürfen maximal eine Länge von sechs Sekunden haben. Dank Autoplay kann eine Video jedoch endlos wiederholt werden. Daraus hat sich auch eine neue Kunstform etabliert, die aneinandergereiht etwa mit der „Cloud-basierten“ App Cameo zeigt, dass Einfachheit und weniger Perfektion auch sehr charmant und amüsant sein kann. Hierin liegt wohl das Erfolgsgeheimnis von Vine. 

VINE

Die Inhalte können günstig und schnell produziert werden, weil die Besucher bestimmt kein Full-HD Erkebnis erwarten werden. Dem spontanen Drehen und Sharen werden keine Grenzen gesetzt. So entspannend kann Content-Marketing heute sein. Schöne Beispiele findet man hier

 

Pheed

Pheed startete im Oktober 2012 als neuer Senkrechtsrater unter den Social Media Plattformen. Ende 2014 hatte es bereits über 5 Millionen Nutzer. Bei den App Downloads in er Rubrik „Social Media“ liegt es in den USA auf den vordersten Plätzen.  Es kombiniert Funktionen, die man auch bei Twitter, Facebook, YouTube, Instagram oder SoundCloud findet in einem Paket. Damit können Links, Bilder, Videos, Audiodateien geteilt werden. Selbst Live-Events lassen sich übertragen. Das besondere an Pheed ist jedoch die Bezahlschranke. Damit bietet es seinen Nutzern die Möglichkeit ihren Content über Abonnements zu monetarisieren. Der hohe Bedarf und Zuspruch bei „Mobile Social Media“ wird weiterhin für gutes Wachstum sorgen. 

PHEED: Bilder- Reporter auf der Jagd nach Einnahmen

 

ELLO

Ello startete im Jahr 2014 mit großem Rummel. Es behauptet von sich „Simple, beautiful & ad free“ zu sein. Das Manifest stellt die Macher allerdings auch unter starken Druck, denn es strebt den absoluten Gegenentwurf zum Widersacher und Platzhirschen "facebook" an.

ELLO - Das bessere Facebook?

Bei Refinanzierung und Geschwindigkeit funktional auf die Hauptkonkurrenten aufzuschließen wird bei so viel Idealismus zu einer Belastungsprobe für den User. 

Dennoch wollen wir an dieser Stelle nicht das Manifest vorenthalten...

 

Your social network is owned by advertisers.

Every post you share, every friend you make and every link you follow is tracked, recorded and converted into data.

Advertisers buy your data so they can show you more ads. You are the product that’s bought and sold.

We believe there is a better way. We believe in audacity. We believe in beauty, simplicity and transparency. We believe that the people who make things and the people who use them should be in partnership.

We believe a social network can be a tool for empowerment. Not a tool to deceive, coerce and manipulate — but a place to connect, create and celebrate life.

You are not a product.

 

 

Medium

Bei dieser Blogging-Plattform stehen "Themen" im Fokus. Posts lassen sich spezifischen Themen zuordnen, ähnlich wie bei Tumblr. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit zum Empfehlen und Teilen. 

Medium wurde 2012 von den Twitter Gründern Evan Williams und Biz Stone gelauncht. Zur Registrierung benötigt man einen Twitter- oder Facebook Account. Es bietet ein hochwertiges Umfeld für Text und Bild. Dabei hebt es sich durch Übersichtlichkeit, leichte Bedienbarkeit  und schicken Minimalismus angenehm ab.

MEDIUM

 

Fancy

Fancy macht keinen Hehl daraus, was es möchte... Es verbindet Social Media mit Shopping und das auf eine sehr bequeme Art und Weise. Jedes vorgestellte Produkt kann direkt im Netzwerk erworben werden.  Im Gegensatz zu WANELO findet man dort weniger Kleidung sondern eher Gadgets und Accessoires.  Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Suchfilter leider noch recht bescheiden.

 

Path

Der Foto-Sharing und Messaging Service "Path" setzt seinen Schwerpunkt bei Qualität. Es bietet Speicher für Fotos, die sich bequem mit Personen, Orten und Sachen vertaggen lassen. Es möchte nicht rasant wachsen, sondern kontrolliert. Funktional orientiert es sich stark an INSTAGRAM, limitiert aber das Netzwerk pro User auf maximal 150 Personenkontakte.

 

Die oben vorgestellten Social Media Dienste der zweiten Generation sind zwar in den USA nicht mehr ganz tauschfrisch, aber in Europa fast noch unbekannt. Dennoch konnten diese Anbieter ein beachtliches Wachstum hingelegen. Es sind ernstzunehmende Verfolger, die mit „User Generated Content“, Bildersammlungen und Collagen spannende Themenwelten erschließen. Hier kann man sozusagen "live" erleben, wenn Algorithmen dem Nutzer keine Regeln und Normen vorgeben. Schon jetzt zeigt sich: Kein Google oder Bing kann diesen Anspruch erfüllen, wohl aber die Kraft der Community. In Folge dessen ist die Content-Qualität beeindruckend gut und eine tolle Hilfe, wenn man auf der Suche nach Inspiration ist. 



Stand:  01/04/2015